Kloster
Gravenhorst
Kloster Gravenhorst ist eine ehemalige Zisterzienserinnenabtei im Tecklenburger Land, heute im Stadtgebiet von Hörstel (Kreis Steinfurt). Die Anlage liegt in ländlicher Umgebung; Gräften und Wasserläufe gehören zum historischen Ortsbild und gliedern Gelände und Gartenbereiche. Baulicher Schwerpunkt der heutigen Nutzung ist das zweiflügelige Haupt- bzw. ehemalige Konventgebäude südlich der Klosterkirche.

Ecke West- und Südflügel
Quelle: agn Niederberghaus & Partner GmbH (Architekturbüro) Bild: Andreas Wiese, Düsseldorf

Der Saal, Innenraum Westflügel
Quelle: agn Niederberghaus & Partner GmbH (Architekturbüro) Bild: Andreas Wiese, Düsseldorf
Gegründet wurde das Kloster 1256. Nach dem Reichsdeputationshauptschluss (1803) bestand das Kloster zunächst noch einige Jahre unter weltlicher Leitung fort; 1808 wurde es endgültig aufgelöst, und 1811 verließen die letzten Zisterzienserinnen die Abtei.
Im weiteren 19. und 20. Jahrhundert folgten häufige Eigentümerwechsel und entsprechend unterschiedliche Nutzungen, die eher pragmatisch als dauerhaft angelegt waren. Genannt werden unter anderem eine Nutzung als Steinbruch, zeitweise als Standort einer Zuckerrübenverarbeitung sowie als Werkstatt für Dampfmaschinentechnik, außerdem wird eine Phase als Jagdschloss eines Konsuls erwähnt. Für das 20. Jahrhundert werden darüber hinaus Nutzungen im Umfeld von Krieg und Nachkriegszeit beschrieben, darunter die Verwendung als Lager- und Unterbringungsort im Zusammenhang mit Zwangsarbeit/Kriegsgefangenschaft sowie später als Unterkunft für Flüchtlinge und Vertriebene. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts war zuletzt eine Champignonzucht in den Gebäuden untergebracht, bevor die Anlage ab den 1980er Jahren schrittweise in eine öffentliche, kulturelle Nutzung überführt wurde.

Gotisches Kellergweölbe im Südflügel
Quelle: agn Niederberghaus & Partner GmbH (Architekturbüro) Bild: Andreas Wiese, Düsseldorf

Treppenhaus im Saal
Quelle: agn Niederberghaus & Partner GmbH (Architekturbüro) Bild: Andreas Wiese, Düsseldorf
Die heutige Nutzung basiert auf einer Restaurierung und Umnutzung, die weniger auf Rekonstruktion als auf Sicherung, Lesbarkeit der Zeitschichten und funktionale Ertüchtigung zielte. Beschädigte und überformte Bereiche wurden konsolidiert, historische Spuren bewusst nicht „glatt“ restauriert, sondern in ihrem Bestand mitgeführt. Neue Anforderungen (Erschließung, Barrierearmut, Haustechnik) wurden durch klar zeitgenössische Eingriffe gelöst, darunter ein neues Treppenhaus als Erschließungskern. Auch die Außenräume wurden mitgedacht: Fassadenflächen wurden vereinheitlicht, Regenwasserführung und Hofgestaltung so organisiert, dass sie den Umgang mit der Gräfte sichtbar machen und unterschiedliche Höhenniveaus verbinden.
Heute wird die Anlage als „DA, Kunsthaus Kloster Gravenhorst“ für Ausstellungen, Veranstaltungen sowie Arbeits- und Aufenthaltsmöglichkeiten von Kunstschaffenden genutzt.

Zweigeschossige Fenster mit historischen Bauspuren
Quelle: agn Niederberghaus & Partner GmbH (Architekturbüro) Bild: Andreas Wiese, Düsseldorf

Blick von Osten auf den Gebäudekomplex
Quelle: agn Niederberghaus & Partner GmbH (Architekturbüro) Bild: Andreas Wiese, Düsseldorf