Nach Sammeln der realweltlichen Inputs in die erste formale Übersetzung. Es entstehen erste grobe Skizzen und Layout-Rohlinge, ohne dass bereits „eine Richtung“ festgezurrt wird. Der Fokus liegt bewusst auf Geschwindigkeit und Offenheit, als Test, welche Aspekte des Ortes und der gesammelten Eindrücke sich im Entwurf überhaupt von selbst nach vorne drängen.
Als erstes, bereits vor Ort, sind mir die aufwändig verzierten Grabplatten ins Auge gefallen. Nicht nur bloß wegen ihrer Handwerkskunst, sondern auch wie sich damals die Steinmetze ein Art »Layout« erdacht haben, eine wiederkehrende Struktur die sie bei der Herstellung befolgten. Sie ordnet die Inschrift in vielen Fällen entlang der Außenkante des Steins wie ein Band. Auch die verschiedenen Arten von zeitgenössischen gebrochenen Schriften die sie für die Inschriften verwendeten waren ein spannendes Detail.




Ich übernahm dieses »Layout« in erste Entwürfe und probierte wie man diese in einen, modernen, digitalen Kontext setzen könnte in Bezug auf die Veranstaltung. Die Idee zum möglichen Veranstaltungsnahmen »Annex« entstand während der historischen Recherche zum Gebäude. Dort ist öfter die Rede von Annexen (Architektonische Anbauten) die dem Kloster in seiner bewegten baulichen Geschichte hinzugefügt und auf verschiedenen Wegen wieder abhanden gekommen sind. Die Veranstaltung selber könnte hierbei für einen Art Annex stehen, einem neuen symbolsicher Anbau, Richtung Zukunft.
Kaum zu übersehen ist auch das gothische Maßwerkfenster am südlichen Ende des Westflügels. In diesem wurde eine ganz bestimme geometrische Form genutzt die aus drei sich gleich überschneidenden Kreisen besteht.
Das Konstruieren und spielen mit dieser Form war sehr spannend doch war mir dieser Ansatz schnell zu eindimensional im Sinne das der Dreipass schon als Symbol für eine ganz bestimmte Zeitepoche gesehen werden kann und auch nur ein geschichtliches Element in dem Gebäudekomplex ausmacht.





Die beiden Flügel des Hauptgebäudes, in denen sich heute die Veranstaltungsräume befinden stehen, im rechten Winkel, nahezu perfekt auf Nord- und Südachse zueinander. An ihrer gemeinsamen Ecke werde sie durch ein monolithisches Treppenhaus miteinander verbunden. Ein Kontrast zwischen neu und alt schafft Verbindung, ein Überschneidungspunkt in der Süd-West-Verbindung. In den gelehrten Schriften des Mittelalters wurden die Himmelsrichtungen in lateinischer Sprache bezeichnet: meridies (ME) = Mittag = Süden und occidens (OC) = Untergang = Westen.





Dieser Strahlenkranz im Fassadenschmuck an der Innenhofseite des Westflügels fand ich von seiner Formgebung spannend. Die Abstraktion ist mir im ersten Versuch aber noch zu grob und weit entfernt gewesen. Im weiteren Verlauf habe ich diesen Ansatz nicht weiter ausgearbeitet.

In einer Veröffentlichung über das Projekt »Regionale 2004« in dem Zuge das Kloster Gravenhorst Restauriert wurde, wird über die zuvor stattgefunden archäologischen Ausgrabungen berichtet. Bei diesen Ausgrabungen wurde unter anderem eine Bodenfliese aus Ende des 13. bis Anfang des 14. Jahrhunderts gefunden. Auf dieser ist mit tiefen Rillen eine Darstellung eines Fabeltiers, vermutlich das eines Greifs, geprägt. Die Umrisse fand ich sehr spannend und arbeitete mit diesen auf verschiedenen Arten digital. In der blauen Version nutzte ich ein stark herunterskalierte Textur der Klostermauer als eine Art Pinsel. Als Maskottchen könnte der Greif mit seinen facettenreichen Eigenschaften (von Vogel, Löwe, Pferd) die Vielfältigkeit der Veranstaltung repräsentieren.

In diesem ersten Abschnitt des Gestaltungsprozesses haben mich definitiv die Süd-West-Verbindung der Flügel und die überformtem, fragmentierte Struktur des Gebäudes am meisten gepackt. Ich sah ich nicht nur einen Bezug zur Thematik der Ausstellung, sondern auch gestalterisch viel Potenzial diese weiter auszuarbeiten. Festgehalten habe ich mich etwas an den Inschriften der Grabsteine, diese fand ich sehr spannend und dachte zunächst, viel potenzial in diesen zu sehen. Doch kam ich innerhalb des Prozesses nicht zu einem Ergebnis, mit ich mir vorstellen konnte weiterzuarbeiten. Mit fehlte hierbei auch deutlich ein inhaltlicher Bezug. Auch mit den gebrochenen Schriftarten war recht schwierig umzugehen das sie durch ihre Komplexität sehr viel visuelle Kapazität auf sich nahmen.























