Etappe 2 ist der Moment der Verdichtung: Aus den bisherigen Skizzen und Varianten wähle ich die Vielversprechendsten aus und arbeite sie gezielt weiter aus. Der Output ist ein zusammenhängender Entwurfsstrang, der bereits deutlich zeigt, wie sich Typografie, Bildsprache und Aufbau zueinander verhalten aber noch nicht final ausgearbeitet ist. Begleitend halte ich als Reflexion fest, warum sich genau diese Richtung im Moment „richtig“ anfühlt und welche Kriterien dieses Gefühl konkret steuern.
Ich arbeitete mit der Süd-West Winkel Konstellation weiter und bei einem Blick auf ein Bild in das Innere des Saals im Westflügel fiel mir der riesige Giebel wieder in Auge, in den man bis oben in die Spitze hereinschauen konnte. Ursprünglich befanden sich hier mal zwei Geschosse doch auf die Wiederherstellung des zwischen Bodens wurde verzichtet, erkennen kann man heute noch die Balkenauflagen an den Wänden links und rechts. Aus der Form des Giebels übersetzte ich eine abstrahierte Darstellung und richtete diese im rechten Winkel aus. Daraus ergabt sich eine spannende Formstruktur. Auf Basis dieser probierte ich verschiedene Anordnungen und Rhythmen aus um zu schauen wie man systematisch und abwechslungsreich mit den der Struktur umgehen kann.

Ich nutze die entstandenen Aufteilungen der Fläche um Typografie und Bilder auszurichten. Bei den Farben orientierte ich mich Stellenweise an dem Zusammenspiel aus Dachziegel und Himmel und Dachziegel und Fassade, doch löste mich an Stellen auch davon und erarbeitete ohne direkte Referenz Farbkombinationen die visuell gut funktionierten.
Die Namen und Logo Idee von MEOC für Latein Süd/West und als Akronym für das Leitmotiv »Move Engage Observe Culture« fand ich sehr stark und wollte ich unbedingt weiter ausarbeiten. Nachdem ich versuchte das Logo weiterzuentwickeln merkte ich, dass die Reduzierung auf das wesentliche die beste Entscheidung ist. Die im 90° aufeinander treffende Glyphen paare sagte eigentlich schon alles was gesagt werden musste. Die bloße Anordnung der Schrift in diesem Winkel erinnerte mich wieder zurück an die Schriftbänder an den Außenkanten der Grabplatten. Dabei kam mir die Idee ausgehend von dem Logo, Textabsätze in der jeweiligen Orientierung der Glyphen paare an den kompletten Außenkanten des Formats entlang zu setzten. Das Logo Bindeglied und Ausgangspunkt zugleich, trotzdem übernahm es dem Raum nicht Visuell, sondern eröffnete eine völlig neue, prägnant gerahmte Spielfläche.
Die Frage war jetzt, was auf dieser Spielfläche stattfinden sollte. Nach der initialen Entwurfsphase gab es noch den Entwurfsstrang der fragmentierten Gebäudestruktur an dem ich bis jetzt noch nicht weitergearbeitet hatte. Bei einem Schulterblick fiel mir auf, dass dieser sich dafür vielleicht gut eignen könnte, aber vielleicht gar nicht mal auf so einer abstrakten Ebene wie zunächst angenommen.
Bei seiner Reise durch die Geschichte hat das Gebäude immer wieder stark verändert dadurch haben Elemente ihren nutzen verloren, wurden umfunktioniert oder manche dienen bis heute ihren Nutzen. Gerade die Elemente die vermeintlich kein Nutzen mehr haben beziehungsweise nicht mehr ihren eigentlichen Nutzen dienen wirken »out of place«. Doch das Gegenteil ist der Fall, auch sie wurden auf eine Art umfunktioniert, als Hinweis auf eine bewegte Geschichte, Element eines organischen gewachsenen, einzigartigen visuellen Erscheinungsbilds gerahmt in einen völlig anderen Kontext als, wo sie entstanden sind.
Was man jetzt Elemente des Komplexes nimmt und sie wiederum in einen völlig neuen Kontext »out of place« setzt, in einem digitalen, einer virtuellen Fläche. Wie würde sich dieses Umfeld auf die Elemente auswirken, was würde mit ihnen passieren? Welche Funktion lassen sie zurück an ihrem realen Orte und welche neue bekommen sie in dieser immateriellen Welt. Das galt es herauszufinden, also begann ich damit Meterhohe Sandstein-Rahmen und Mauerbruchstücke auf dieser vorher geschaffenen Spielfläche aufeinander treffen zu lassen.


















